Die nackte Nachricht ist nichts wert Bookmark and Share Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

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Über die vierte Veranstaltung der Reihe "ifp im Gespräch" am 16. März 2010 berichtet Ulrich Knapp (Stipendiatenjahrgang 2007). Der Titel der Veranstaltung lautete: "Der Wert der Nachricht"

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Gäste bei ifp im Gespräch (von links): Hardy Prothmann, Gründer heddesheimblog.de, Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur kna, Jochen Wegner, Chefredakteur FOCUS online/Geschäftsführer Nachrichten.de, Joachim Widmann, Chefredakteur ddp; Moderation: Christian Vogg, Redaktionsleiter WDR Mediathek

Wie kann man mit Nachrichten noch Geld verdienen, wenn anscheinend fast alle Inhalte gratis im Internet zu haben sind? Wie wollen Nachrichtenagenturen überleben, wenn es ihren wichtigsten Kunden, den Zeitungen, immer häufiger durchs Dach regnet? Was muss eine Nachrichtenagentur leisten, um trotzdem zahlreiche und vor allem zahlfreudige Abnehmer zu finden? Kurz: Was ist die Nachricht wert? Damit beschäftigten sich Chefredakteure von Nachrichtenagenturen und Onlineportalen bei einer Podiumsdiskussion in der Katholischen Journalistenschule ifp in München.

szene.jpgEinigkeit herrscht bei den Medienmachern über den Wert der Nachricht. „Die Nachricht selbst ist so gut wie nichts wert", sagt Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus online. „Auch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird erst relevant, wenn sie ein Jurist für uns einordnet. Dann wird sie zu einer spannenden Nachricht."


Wegner leitet auch nachrichten.de, ein Portal, das mit nichts weniger für sich wirbt als: „Alle News deutscher Medien". Rund 500 journalistische Internetseiten wertet das Portal aus, jede Minute neu und vollständig automatisiert, Online-Inhalte kleiner Lokalzeitungen ebenso wie Blogs und Agenturen. Wegner bezeichnet die Seite - juristisch gesehen eine Art Suchmaschine - als Durchlauferhitzer. Das Ergebnis sei frustrierend: 80 Prozent der Inhalte deutscher Nachrichtenseiten bestünden aus identischem Agenturmaterial.

Wie nachrichten.de damit Geld verdienen will? 60 Verlage würden bislang am Umsatz beteiligt, den die Maschine mit ihren Inhalten mache. Außerdem wolle man für kleinere Zeitungen Angebote erstellen, welche sich diese nicht leisten können, zum Beispiel Schlagwortseiten oder Dokumentationen zu aktuellen Themen, für die die Redaktionen keine Zeit haben.

„Wir sind der einzige Verein der Welt, der die Ewigkeitsgarantie eingebaut hat", sagt Ludwig Ring-Eifel zur Lage der KNA und schmunzelt dabei. Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen-Nachrichtenagentur. Rund 20 000 Texte produziert KNA im Jahr, überwiegend zu kirchlichen und sozialen Themen. Hinzukommen Videos für Internetseiten und Hörfunkbeiträge.

twitter.jpgRing-Eifel erläutert, seine Redaktion habe derzeit Hochkonjunktur, was die Abdruckquote angeht. Schuld seien die Missbrauchsfälle in Zusammenhang mit katholischen Geistlichen. „Ein furchtbares Thema", sagt Ring-Eifel. „Wir verdienen aber nicht mehr Geld durch mehr Abdrucke." Wie alle Agenturen biete man Komplettabos zu festen Preisen an. „Wer uns abonniert hat, ist froh. Wir machen es genauer, weil wir uns bei kirchlichen Themen besser auskennen." Ring-Eifel wehrt sich gegen den Ruf, die KNA sei eine „Verlautbarungs- und Gefälligkeitsagentur" der Kirche. Er gesteht aber auch zu, dass es Schwierigkeiten mit den hierarchischen Strukturen der Kirche gebe. „Bischöfe begreifen nicht, wie es mit freien Medien geht." Es gebe „Friktionen", daher sei sein Job gerade schwierig. Die Berichterstattung zu den Missbrauchsfällen betrachtet Ring-Eifel auch als Chance, um sich einen Bonus für schlechtere Zeiten bei den Abonnenten aufzubauen.

Und die werden kommen, ist er sich sicher. Denn zum einen bereite der KNA der Markt der konfessionellen Blätter Sorgen. Zum anderen müsse es der Kirche gelingen, ein publizistisches Online-Modell zu entwickeln. „Sonst findet die katholische Kirche nicht mehr medial statt." 

prothmann_einfuehrung.jpgAusschließlich online publiziert Hardy Prothmann. Seit knapp einem Jahr betreibt der freie Journalist das Heddesheim-Blog, eine Ein-Mann-Tageszeitung im Internet. Sie beschäftigt sich mit dem, was in dem 11 500-Einwohner-Örtchen Heddesheim bei Mannheim geschieht. Prothmann gründete das Blog, weil ihm die Berichterstattung der Lokalzeitung zu unkritisch gewesen sei. „Pseudojournalismus" wirft er seinen ehemaligen Kollegen vom Mannheimer Morgen vor. Mehr als 2000 Leser riefen täglich seine Seite auf, sagt Prothmann, weil er sich auf die lokale Kompetenz konzentriere.

Im Fokussieren auf ganz spezielle Themen sieht auch Joachim Widmann die Chance seiner Agentur. Er ist Chefredakteur des Deutschen Depeschendienstes. ddp unterhalte eine kleine Abteilung für investigative Recherche. Diese habe sich zum Beispiel in der Berichterstattung zum Bahn-Bespitzelungs-Skandal und Hartmut Mehdorns Rücktritt vergangenes Jahr hervorgetan, sagt Widmann.

Darüber hinaus möchte Widmann große Erklärstücke und Reportagen liefern, da bei Zeitungen der Trend herrsche, das tägliche Magazin zu bauen. „Solange die Geschichten stimmen und gut erzählt sind, ist es dem Leser schnurz, woher sie stammen, ob von der Redaktion der eigenen Zeitung oder einer Agentur."

Der Agenturchef Widmann und die Ein-Mann-Redaktion Prothmann sind sich einig: Die regionalen und lokalen Zeitungen können nur überleben, wenn sie sich auf ihr Alleinstellungsmerkmal konzentrieren: ihre Kompetenz bei regionalen und lokalen Themen. Die Kompetenz also, die Prothmann nach eigener Aussage hat. Hiervon könnten wiederum Agenturen profitieren, indem sie sich von Seiten wie heddesheimblog beliefern ließen. KNA-Chef Ring-Eifel schließt diese Zusammenarbeit nicht aus, wenn sich der Zulieferer mit kirchlichen Themen auskenne. Auch Prothmann gefällt die Idee, er erwidert jedoch: „Das geht leider nicht, weil seit kurzem weder der katholische noch der evangelische Priester im Ort mit mir reden."

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