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Beten hilft – genau hinhören hilft auch

Über die zweite Veranstaltung der Reihe "ifp im Gespräch" mit Prof. Donsbach (TU Dresden) und Frauke Ancker (BJV-Geschäftsführerin) berichtet Regina Frey vom ifp-Stipendiatenjahrgang 2009: 

donsbach_vortrag.jpgAuf der Rangliste der vertrauenswürdigen Berufsgruppen stehen Journalisten weit unten. Nach Ärzten, Professoren, Lehrern und Meinungsforschern, aber noch vor den Politikern, die das Schlusslicht bilden. Das ist ein Ergebnis der Studie „Entzauberung eines Berufs – Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden“ der TU Dresden. Professor Dr. Wolfgang Donsbach (Foto links) stellte die Ergebnisse im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) in München vor.

„Beten hilft – genau hinhören hilft auch“, kommentierte Dr. Elvira Steppacher, Direktorin des ifp die Ergebnisse der Studie. Sie hatte vor zwei Jahren den Anstoß gegeben, das Berufsprestige von Journalisten zu untersuchen. Der Leiter der Studie, Wolfgang Donsbach, ist Gründungsdirektor des seit 1993 bestehenden Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. Gefördert wurde die Studie durch die Stiftung Presse-Haus NRZ und die Stiftung Wertevolle Zukunft.

Von November 2007 bis Januar 2008 wurden telefonisch 1054 Erwachsene befragt. Das Ergebnis gibt Anlass zur Sorge. Zwar steige das Prestige und die Anerkennung gegenüber Journalisten „der Vertrauensverlust ist aber bei den Journalisten noch größer als gegenüber den Politikern,“ erklärte Donsbach. Über 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, Journalisten hätten zu viel Macht und würden moralische Grenzen überschreiten. Dabei werden die Anforderungen an Journalisten immer größer: Da sei zum einen die zunehmende Komplexität der Themen, mit denen sich Journalisten auseinander setzen müssten. Andererseits nehme das Interesse der Gesellschaft an journalistischen Informationen stark ab. Nicht nur die Zeitungsauflagen gehen stark zurück. Eine 'duty to keep informed', also die Pflicht, sich zu informieren, gebe es kaum noch. Donsbach folgert: Wer keine Zeitung mehr lese, schaue auch nicht automatisch ins Internet. „Es entsteht ein Vakuum: Was bei der Zeitungsnutzung wegfällt, wird nicht durch das Internet kompensiert,“ sagte Donsbach. Insgesamt lasse sich ein starker Verlust an Glaubwürdigkeit und Reputation feststellen. Die Mehrheit der Befragten ist sich demnach sicher, dass Journalisten PR-Artikel für Anzeigenkunden verfassen. Das liege besonders auch daran, dass die Konturen des Berufs zunehmend verschwimmen. „Der Beruf wird umzingelt von para-journalistischen Tätigkeiten,“ stellte Donsbach fest. Vielen Jugendlichen sei etwa nicht klar, dass ein Blogger noch lange kein Journalist sei. „Unsere Studie geht nur auf die traditionellen Medien ein,“ gestand Donsbach eine Schwäche der Studie ein.

donsbach_publikum.jpgAuch Journalisten nehmen ihren Beruf heute anders wahr. Durch die zunehmende Ausrichtung am Leserinteresse, erleben viele Journalisten eine Boulevardisierung ihres Berufs. Gerade der Einfluss der Wirtschaft, der immer mehr auf Auflagensteigerung anstatt auf Qualität abziele, habe großen Einfluss auf das Ansehen des Journalismus, ja der Medien allgemein.

„Besonders bemerkenswert ist, dass Zeitungen mit Monopolstellung einen besonders deutlichen Auflagenrückgang zu verzeichnen haben,“ sagte die Geschäftsführerin des Bayerischen Journalistenverbandes, Frauke Ancker in der anschließenden Podiumsdiskussion. Wichtig sei hier vor allem, verantwortungsbewusst mit den vorhandenen Geldern umzugehen, sagte Donsbach. Anstatt in Werbung und Marketing zu investieren, sei es wichtig, in gute Journalisten zu investieren. „Journalisten berichten nicht gerne über sich selbst. Es wird zwar auf Missstände hingewiesen, aber meist nicht in der Öffentlichkeit“, sagte Ancker. „Journalisten werden nur als Interessensvertreter wahrgenommen, nicht aber als Verantwortungsträger.“ Haben die Journalisten aber nicht selbst Anteil an der wachsenden Verschmelzung von PR und Journalismus? „Die Alternative zum uns bekannten Journalismus wäre dann nur der 'Charity-Journalismus', der in den USA existiert. Menschen mit gleichen Interessen schließen sich zusammen und bezahlen einen Journalisten, damit er über das gewünschte Thema schreibt“, sagte Steppacher. Die Folge wäre dann allerdings, dass in den Medien nur noch ein bestimmtes Klientel vorkommen würde.

donsbach_podium.jpgWas muss also getan werden, um dem wachsenden Vertrauensverlust entgegen zu wirken? „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche eine gute Medienerziehung erhalten. Und zwar von Beginn an, nicht erst in der Oberstufe“, sagte Ancker. Ein großes Problem stelle hier auch das Internet dar. Denn soziale Netzwerke wie etwa Facebook oder Twitter transportieren nur einen sehr begrenzten Bereich an Nachrichten. „Unsere Studie zeigt, dass die Befragten sehr wohl guten Journalismus schätzen, aber sehr kritisch in der Beurteilung sind. Das ist aber auch gut so. Wichtig ist es dann, Meldungen und Nachrichten gut aufzubereiten,“ sagte Donsbach.

„Entzauberung eines Berufs – Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden“ von W. Donsbach u. a. Herausgegeben vom Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. Erschienen in der UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2009, 172 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-86764-192-0; € (D) 24,90

Fotos: Carl Marciniak, ifp

Mehr Informationen zu der Reihe ifp im Gespräch

Die Journalistin Susanne Kihm hat die wichtigsten Statements von Prof. Donsbach für ein Video-Lexikon im Internet aufgezeichnet. Sie können die Videoausschnitte zu verschiedenen Stichworten wie "Glaubwürdigkeit" und "Marktorientierung" hier sehen und hören. 

 

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