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Über den kirchlichen Charakter des ifp

Aus einer Ansprache von P. Dr. Wolfgang Seibel SJ, dem ersten Direktor des ifp:
Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses ist zunächst eine von zahlreichen Institutionen der Journalistenausbildung. Es arbeitet zwar schon länger als viele andere, aber das allein ist noch kein Zeichen von Qualität. Wir strebten aber immer nach höchstmöglicher Professionalität und haben stets den Ehrgeiz gehabt, zu den ersten Adressen in der Journalistenausbildung zu gehören. Ob dies gelungen ist, müssen andere beurteilen.

Die Besonderheit des Instituts liegt in seinem kirchlichen Charakter. Aber auch hier heißt der Auftrag: Journalistenausbildung. Es ist also keine Institution, deren primäre Aufgabe die Hinführung zum Glauben wäre oder vielleicht auch der Ausgleich wirklicher oder vermeintlicher Defizite des Religionsunterrichts. Der kirchliche Charakter des Instituts zeigt sich zunächst einmal darin, daß hier Menschen zusammenkommen, die aus innerer Überzeugung Christen sind. Deshalb soll im Institut eine Atmosphäre herrschen, die deutlich werden läßt, was Christsein heißt und wie Christen miteinander leben. Es soll also ein Stück lebendige Kirche erfahren lassen. Glaube wird ja nicht durch Belehrung und Wissensvermittlung geweckt.

Glaube kann nur wachsen in einem Raum der Mitmenschlichkeit, der Freiheit, der Offenheit, des Vertrauens - also der Haltungen, die selbst wieder, wie Paulus sagt, Früchte des Glaubens sind. Dem Glauben als einer in freier Entscheidung übernommenen Lebensform widerspricht ja jeder Versuch der Indoktrinierung, jede Art von Druck, Disziplinierung oder gar von Zwang.

Sie müssen dialogfähig sein

Zum kirchlichen Charakter des Instituts gehört es auch, daß es keine bestimmte innerkirchliche Richtung vertritt oder favorisiert, sondern offen ist für die Vielfalt christlicher Glaubens- und Lebensstile. Alle, die in der großen Kirche Platz haben, sollen auch im Institut Platz haben - vorausgesetzt allerdings, daß sie dialogfähig sind, das heißt, daß sie ihre eigene Meinung nicht absolut setzen und nicht als die christlich und kirchlich allein mögliche hinstellen. In diesem Sinn soll das Institut einen Raum bieten, in dem jeder seinen eigenen Glaubensweg finden kann - immer in der argumentativen Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit.

Als Journalisten haben Christen keine andere Aufgabe und keine anderen Normen als die Kolleginnen und Kollegen, die von einer anderen Welt- und Lebensanschauung herkommen. Auch die ethischen Normen sind für alle gleich, weil sie ja in der unveräußerlichen Würde des Menschen und seinen Grundrechten wurzeln. Von daher versteht es sich von selbst, daß christliche Journalisten immer in der ersten Reihe derer stehen sollen, die die Menschenwürde und die Menschenrechte verteidigen und für einen fairen, verantwortungsbewußten Journalismus eintreten.

Der Tübinger Theologe Alfons Auer hat dies einmal so formuliert: Die Christen sollen ihren Heilsauftrag nicht dadurch abgelten, daß sie von der Tribüne der Geschichte aus an die scheinbar von allen guten Geistern verlassene Welt moralische Zwichenrufe ergehen lassen. Sie sollen vielmehr selbst in die Gegenwart eingehen und sich ihr öffnen: Die Treue zum Evangelium mit der Fähigkeit zur Zeitgenossenschaft verbinden.

Diese Grundsätze gelten auch, ja gerade für die Journalistenausbildung in einem kirchlichen Institut. Diejenigen, die hier ihre Ausbildung erhalten und diese Grundsätze verstanden haben, werden nie in der Pose des allwissenden Lehrmeisters auftreten. Sie werden sich vielmehr als Gesprächspartner verstehen, die gemeinsam mit allen anderen um die Lösung der Probleme ringen und dabei ihren Beitrag zu leisten suchen - nicht belehrend, befehlend oder fordernd, sondern argumentierend und sich um Verständigung bemühend. 

 

 
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