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Die Münchner Künstlerin Sabine Kammerl hat die Mauern des ehemaligen Kapuzinersklosters St. Anton gestaltet. In den aufwändig restaurierten ehemaligen Klosterräumen bildet das ifp seit April 2008 Journalisten aus. Zu der Installation schreibt die Künstlerin:
Die Mauer als Medium
Mauern scheinen zu trennen. Sie sind jedoch auch eine der frühesten Medien der
Menschheitsgeschichte. Seit Jahrtausenden sind sie Trägerinnen von Botschaften.
Die Kunst für St. Anton macht die Mauer zur Vermittlerin - nach innen wie nach außen. Durch ihre Botschaft wird die Mauer durchlässig und zum verbindenden Element.
Auf dem Medium der Mauer spricht ein Ich zu sich selbst und lässt gleichzeitig
andere an seinen Gedanken teilhaben.
"und wüsste ich alle Geheimnisse und hätte alle Erkenntnis und hätte die
Liebe nicht so wäre ich nichts"
Die Kapuziner als franziskanischer Orden, ganz der Rückführung auf das
Wesentliche des Glaubens und der Volksbildung verpflichtet, die Studierenden
und Lehrenden des Medieninstituts, die Pfarrgemeinde St. Anton, die Passanten
in ihrem Alltag - für alle ist die Frage, auf welcher Basis Arbeit und Leben
stehen, Tag für Tag relevant.
Die Worte des Korintherbriefs sperren sich jedoch gegen eine schnelle und
oberflächliche Konsumierbarkeit - ganz besonders an diesem Ort ihres ungewöhnlichen Erscheinens im öffentlichen Raum.
Ihre Dimension, die Länge der Textzeile, das Auf und Ab von Worten und
Wortgruppen machen es hier unmöglich, die Textzeile "in einem Satz"
zu lesen.
Der Text wird zur Notation, zur Melodie, zum Rhythmus. Die vertikalen Elemente
der Mauerkassetten wandeln sich zu Taktstrichen. Worte und Wortgruppen sind für den Leser geradezu körperlich präsent. Langsam fügt er sie zusammen, entdeckt neue Beziehungen zwischen den Worten.
Die Worte werden ergangen und erfahren.
Bei jedem Vorüber, jeder Passage von Neuem.
Die innere Melodie der Wörter, ihre Botschaft und ihre materielle Präsenz
prägen den Ort ihres Erscheinens ebenso wie dieser Ort zur Wahl dieses ganz spezifischen
Textes geführt hat.
Im Eingangsbereich kann man den ersten Korintherbrief des Heiligen Paulus in
schlichter Druckschrift entdecken:
Ein Angebot an diejenigen, die mehr über diesen so persönlichen und sprechenden
Text erfahren möchten.
Text und Foto: Sabine Kammerl 2008
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